Ein Besuch beim Zahnarzt dient längst nicht nur dazu, akute Zahnschmerzen zu behandeln. Moderne Zahnmedizin beschäftigt sich vor allem mit Vorsorge, Zahnerhalt und der möglichst frühzeitigen Behandlung von Erkrankungen an Zähnen und Zahnfleisch. Gleichzeitig spielen funktionelle und ästhetische Aspekte eine immer größere Rolle.
Viele Behandlungen gehören heute zur täglichen Routine in Zahnarztpraxen. Doch welche Eingriffe werden besonders häufig durchgeführt? Wir stellen zehn typische zahnmedizinische Behandlungen vor und erklären, wann sie notwendig oder sinnvoll sein können.
1. Professionelle Zahnreinigung
Die professionelle Zahnreinigung (PZR) gehört zu den häufigsten vorbeugenden Behandlungen beim Zahnarzt. Dabei werden Beläge und Verfärbungen entfernt, die sich mit Zahnbürste und Zahnseide allein häufig nicht vollständig beseitigen lassen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt Bereichen, die bei der täglichen Mundhygiene schwer erreichbar sind – beispielsweise Zahnzwischenräumen oder dem Übergang zwischen Zahn und Zahnfleisch.
Typischerweise umfasst eine professionelle Zahnreinigung:
- Entfernung weicher und harter Zahnbeläge
- Reinigung der Zahnzwischenräume
- Entfernung oberflächlicher Verfärbungen
- Politur der Zahnoberflächen
- gegebenenfalls Fluoridierung
- individuelle Hinweise zur Mundhygiene
Die PZR kann dazu beitragen, das Risiko für Karies und Zahnfleischerkrankungen zu reduzieren und die eigenen Zähne möglichst lange gesund zu erhalten.
2. Zahnfüllungen bei Karies
Karies gehört zu den häufigsten Erkrankungen der Zähne. Wird sie frühzeitig erkannt, kann der betroffene Bereich meist vergleichsweise schonend behandelt werden.
Dabei entfernt der Zahnarzt zunächst die erkrankte Zahnsubstanz. Anschließend wird der entstandene Defekt mit einem geeigneten Füllungsmaterial verschlossen.
Heute kommen insbesondere zahnfarbene Kompositfüllungen zum Einsatz. Sie können farblich an die natürlichen Zähne angepasst werden und ermöglichen dadurch insbesondere im sichtbaren Bereich unauffällige Versorgungen.
Je früher eine Karies erkannt wird, desto größer ist in der Regel die Chance, möglichst viel natürliche Zahnsubstanz zu erhalten.
3. Wurzelkanalbehandlung
Ist das Zahninnere – die sogenannte Pulpa – stark entzündet oder bereits abgestorben, kann eine Wurzelkanalbehandlung notwendig werden.
Ziel der Behandlung ist es, den natürlichen Zahn zu erhalten. Dafür werden die Wurzelkanäle aufbereitet, gereinigt und desinfiziert. Anschließend erfolgt ein möglichst dichter Verschluss des Kanalsystems.
Eine Wurzelkanalbehandlung kann beispielsweise erforderlich sein bei:
- tiefer Karies
- Entzündungen des Zahnnervs
- Verletzungen eines Zahnes
- abgestorbenem Zahnmark
- Entzündungen im Bereich der Wurzelspitze
Durch moderne Verfahren und eine sorgfältige Diagnostik können heute auch Zähne erhalten werden, die früher möglicherweise gezogen worden wären.
4. Parodontitisbehandlung
Parodontitis ist eine entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates. Unbehandelt kann sie dazu führen, dass sich Zahnfleisch und Knochen zurückbilden und Zähne zunehmend ihren Halt verlieren.
Die Behandlung verfolgt deshalb das Ziel, bakterielle Beläge insbesondere unterhalb des Zahnfleischrandes zu entfernen und die Entzündung langfristig zu kontrollieren.
Nach der eigentlichen Therapie sind regelmäßige Kontrollen und eine konsequente Nachsorge besonders wichtig. Denn Parodontitis ist eine chronische Erkrankung, bei der die langfristige Stabilisierung eine entscheidende Rolle spielt.
5. Zahnkrone
Ist ein Zahn stark beschädigt, kann eine einfache Füllung unter Umständen nicht mehr ausreichen. Eine Zahnkrone dient dann dazu, die verbliebene Zahnsubstanz zu stabilisieren und Form sowie Funktion des Zahnes wiederherzustellen.
Kronen können beispielsweise notwendig werden:
- nach größeren Zahndefekten
- bei stark geschädigten oder abgebrochenen Zähnen
- nach bestimmten Wurzelkanalbehandlungen
- bei starkem Substanzverlust
- als Bestandteil einer Implantatversorgung
Moderne Kronen können unter anderem aus Vollkeramik hergestellt werden und hinsichtlich Form und Farbe sehr genau an die vorhandenen Zähne angepasst werden.
6. Zahnimplantate
Fehlt ein Zahn vollständig, können Zahnimplantate eine Möglichkeit sein, die entstandene Zahnlücke zu versorgen. Ein Implantat übernimmt dabei die Funktion einer künstlichen Zahnwurzel und wird im Kieferknochen verankert.
Nach der Einheilung kann darauf beispielsweise eine Krone befestigt werden. Implantate können aber auch zur Versorgung größerer Zahnlücken oder zur Stabilisierung von Zahnersatz eingesetzt werden.
Ein Vorteil besteht darin, dass bei einer Einzelzahnlücke die gesunden Nachbarzähne normalerweise nicht für eine klassische Brücke beschliffen werden müssen.
Ob eine Implantation möglich ist, hängt jedoch von verschiedenen Faktoren ab. Dazu zählen unter anderem das vorhandene Knochenangebot, die Mundgesundheit und die individuelle gesundheitliche Situation.
7. Zahnentfernung
Grundsätzlich steht in der modernen Zahnmedizin der Erhalt der natürlichen Zähne im Vordergrund. Dennoch gibt es Situationen, in denen ein Zahn nicht mehr sinnvoll erhalten werden kann oder aus anderen medizinischen Gründen entfernt werden muss.
Mögliche Gründe sind beispielsweise:
- weit fortgeschrittene Zerstörung des Zahnes
- starke Lockerung durch Parodontitis
- nicht behandelbare Entzündungen
- bestimmte Frakturen der Zahnwurzel
- kieferorthopädische Gründe
Vor einer Zahnentfernung sollte geprüft werden, ob zahnerhaltende Behandlungsmöglichkeiten bestehen. Gerade bei komplexen Befunden kann es sinnvoll sein, sich zusätzlich eine zahnmedizinische Zweitmeinung einzuholen.
8. Weisheitszahnentfernung
Weisheitszähne müssen nicht grundsätzlich entfernt werden. Problematisch können sie jedoch werden, wenn sie nicht ausreichend Platz haben, ungünstig im Kiefer liegen oder wiederholt Entzündungen verursachen.
Eine Entfernung kann unter anderem erwogen werden, wenn:
- wiederkehrende Entzündungen auftreten
- ein Weisheitszahn nur teilweise durchbricht
- benachbarte Zähne gefährdet werden
- Zysten oder andere krankhafte Veränderungen entstehen
- Schmerzen oder andere Beschwerden auftreten
Ob eine Entfernung tatsächlich erforderlich ist, sollte immer anhand der individuellen Situation und der bildgebenden Diagnostik entschieden werden.
9. Bleaching
Nicht jeder häufige Eingriff beim Zahnarzt ist medizinisch notwendig. Zu den verbreiteten ästhetischen Behandlungen gehört das professionelle Bleaching.
Dabei werden die natürlichen Zähne mithilfe spezieller Wirkstoffe aufgehellt. Verfärbungen können beispielsweise durch Kaffee, Tee, Rotwein, Tabak oder natürliche Alterungsprozesse entstehen.
Vor einem Bleaching sollte zunächst kontrolliert werden, ob Zähne und Zahnfleisch gesund sind. Zudem ist wichtig zu wissen, dass vorhandene Kronen, Veneers und Füllungen durch ein Bleaching normalerweise nicht entsprechend mit aufgehellt werden.
10. Zahnersatz: Brücken und Prothesen
Fehlen mehrere Zähne, stehen neben Implantaten auch klassische Formen des Zahnersatzes zur Verfügung. Dazu gehören insbesondere Zahnbrücken sowie Teil- und Vollprothesen.
Welche Versorgung am besten geeignet ist, hängt unter anderem davon ab,
- wie viele Zähne fehlen,
- wo sich die Zahnlücken befinden,
- in welchem Zustand die verbleibenden Zähne sind,
- wie die Knochensituation aussieht und
- welche individuellen Wünsche der Patient hat.
Moderne Zahnmedizin bietet heute zahlreiche Möglichkeiten, Funktion, Ästhetik und Kaukomfort möglichst gut miteinander zu verbinden.
Zahnerhalt steht heute im Mittelpunkt
Viele der häufigsten zahnmedizinischen Eingriffe verfolgen letztlich dasselbe Ziel: Erkrankungen möglichst früh zu erkennen und die eigenen Zähne so lange wie möglich zu erhalten.
Regelmäßige Kontrolluntersuchungen und eine gute Vorsorge können dazu beitragen, Probleme bereits in einem frühen Stadium zu entdecken. Dadurch lassen sich umfangreichere Eingriffe in vielen Fällen vermeiden oder zumindest reduzieren.
Bestehen bereits Beschwerden oder wurde eine umfangreichere Behandlung empfohlen, sollte die Situation immer individuell beurteilt werden. Gerade vor einer Zahnentfernung, einer Implantation oder einer größeren Zahnersatzversorgung kann auch eine zahnmedizinische Zweitmeinung sinnvoll sein.
In einer persönlichen Beratung können Befund, mögliche Behandlungsalternativen sowie die jeweiligen Vor- und Nachteile ausführlich besprochen und eine individuell passende Therapie geplant werden.
